Vortrag: „Abbild und Wirklichkeit – Zum Aussagewert Bautzener Stadtansichten bis 1900“

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Carl Franz Ludwig Kergel (1814–1874): Blick von der Mühltorgasse zur Mönchsbastei und zum Wendischen Kirchhof mit der Alten Wasserkunst und der Michaeliskirche. 1863. Öl auf Leinwand. © Museum Bautzen: 10674

Das Museum Bautzen lädt am Donnerstag, dem 26. Februar 2025, um 19.00 Uhr zum Vortrag „Abbild und Wirklichkeit – Zum Aussagewert Bautzener Stadtansichten bis 1900“ ein. Im Rahmen des Vortrages stellt der Diplom-Museologe Hagen Schulz Ansichten der Stadt vor und geht dabei der Frage nach, wie authentisch die Bilder den Stadt- und Landschaftraum abbilden.

Das von Türmen geprägte Stadtpanorama Bautzens gehört zu den eindrucksvollsten in Sachsen und ganz Mitteldeutschland. Sein malerisches und feingliedriges Antlitz, geprägt von der Lage der Stadt über dem Spreetal, faszinierte bereits in den 1620er Jahren Künstler. Seit dieser Zeit dokumentieren sie durch Gesamt- und Detailansichten das äußere Erscheinungsbild und den architektonischen Wandel Bautzens sowie militärische, politische und kulturelle Ereignisse.

Wie die Stadt und die sie umgebenden Landschaft in den Ansichten dargestellt wurde, unterlag dem Verhältnis von Abbild und Wirklichkeit. Dieses Verhältnis veränderte sich mit dem Wandel der epochespezifischen Seh- und Darstellungsweisen sowie den Konventionen der künstlerisch-formalen Bildgestaltung. Zu diesen gehörten die Wahl des Standortes und der Perspektive, der Einsatz von Licht und Schatten, Farbigkeit und Staffagen. Darüber hinaus bestand eine Wechselbeziehung zwischen der Entstehungszeit, der Zweckbestimmung, der Aussageintention des Künstlers und dem im Bild festgehaltenen Zustand. Der Bogen spannte sich dabei von symbolischen Belagerungsszenen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, über „Idealbilder“ im Barockzeitalter bis hin zu topografisch präzisen Stadtporträts im 19. Jahrhundert.

Bei der Betrachtung der Ansichten als Bildquellen ist die Frage der Authentizität der Darstellung im Spannungsverhältnis zwischen Wirklichkeit und künstlerischer Interpretation von Bedeutung. Perspektivische Verzerrungen und übersteigerte Proportionen sowie die Überhöhung und Absenkung, die Streckung und Stauchung bestimmter Bereiche der Stadt veränderten die Bildwirkung. Diese beeinflusste auch die inszenierte beziehungsweise schematisierte und fehlerhafte Abbildung der Bebauung. Die Wiedergabe der Stadt erfolgte zum Teil noch bis in das 19. Jahrhundert hinein nicht im realistischen Sinne, sondern als Ausdruck von Bedeutung, Ordnung und Stabilität.
Skizzen und Studien, die am Beginn des künstlerischen Schaffensprozesses standen, bildeten dabei das Stadtbild besonders wirklichkeitsgetreu und perspektivisch stimmig ab.

Stadtverwaltung Bautzen
Museum Bautzen

Carl Franz Ludwig Kergel (1814–1874): Blick von der Mühltorgasse zur Mönchsbastei und zum Wendischen Kirchhof mit der Alten Wasserkunst und der Michaeliskirche. 1863. Öl auf Leinwand. © Museum Bautzen: 10674
Carl Franz Ludwig Kergel (1814–1874): Blick von der Mühltorgasse zur Mönchsbastei und zum Wendischen Kirchhof mit der Alten Wasserkunst und der Michaeliskirche. 1863. Öl auf Leinwand. © Museum Bautzen: 10674

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