Bautzener Türme und Basteien

Reichenturm

Auf den wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert stammenden quadratischen Unterbau wurde von 1490 bis 1492 ein massiver runder Turm mit hölzernem Aufbau und Kegeldach aufgesetzt. Während der sächsischen Belagerung 1620 wurde der Reichenturm in Brand geschossen und danach von 1627 bis 1628 wieder aufgebaut.

Nach einer erneuten Zerstörung durch schwedische Truppen 1639 konnte der Turm erst 1663 wieder errichtet werden. Die Schäden eines weiteren Brandes 1686 wurden erst 10 Jahre später beseitigt.

Nach der Zerstörung des Turmes beim Stadtbrand 1709 entschied sich die Stadt für die Errichtung einer massiven barocken Turmhaube nach dem Entwurf von Johann Christoph von Naumann, die 1718 vollendet wurde.

Durch Schäden im 2. Weltkrieg drohte der Turm umzustürzen, was durch Sicherungsmaßnahmen 1946 und segmentweise Untermauerung der Fundamente 1953/54 verhindert werden konnte.

Nach Restaurierungsarbeiten 1991 bis 1993 erfolgte 2006 eine gründliche Sanierung der Turmhülle und der Haube.

Der„Schiefe Turm“ von Bautzen weist bei einer Höhe von 56 m eine Neigung nach Nordwest von 1,41 m auf. Von der Aussichtsplattform bietet sich ein herrlicher Blick auf die Altstadt.

Der Reichenturm hat in den Monaten April bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Nicolaiturm

Als Teil der Stadtbefestigung wurde der Turm vor 1522 errichtet. Sein Name leitet sich vom Heiligen Nikolaus ab. Der Name „Nicolai“ wurde vermutlich später von der Nicolaikirche, die jetzt romantische Ruine ist, auf den Turm übertragen. An der Nicolaipforte, die übrigens der einzige in seiner ursprünglichen Gestalt erhaltene Stadtzugang ist, befindet sich ein Schlussstein auf dem der Kopf des ehemaligen Stadtschreibers Peter Preischwitz abgebildet ist. Dieser soll 1429 die Stadt verraten und das Tor den Hussiten geöffnet haben. Die Strafe der Bautzener ereilte ihn und sein abgehackter Kopf soll eine lange Zeit am Tor des Nicolaiturms gehangen haben.

Diesen Turm können Sie im Rahmen einer Führung zu der Dauerausstellung „Via Regia“ besichtigen. Kontakt über das Museum Bautzen: www.museum-bautzen.de

Lauenturm

Der Lauenturm wurde 1400 bis 1403 zum Schutz des Lauentores erbaut. Das Alter des Turmes lässt sich unter anderem an seiner klotzig-viereckigen Gestalt erkennen. Spätere Türme erhielten meist runde Formen, damit Geschosse besser abgleiten konnten. Zugänglich war der Lauenturm nur vom Wehrgang aus, die Tür an der Straße entstand später. Noch heute gibt es eine Verbindung vom zweiten Stock des angrenzenden Hauses durch die 3 Meter dicke Mauer ins Turminnere. Er hat eine Höhe von 53 Meter und beherbergt eine Miniaturen-Ausstellung. Kontakt: www.tuermer-bautzen.de

Wasserturm

1877 wurde im Westteil der Mönchskirchruine dieser Wasserhochbehälter mit einem Fassungsvermögen von 1000 m³ erbaut. Er prägt als jüngster aller Bautzener Türme das Stadtbild deutlich mit. Seit 1936 besitzt er die optisch günstiger wirkende Holzverkleidung am Oberteil. 1979 erfolgte die Stilllegung der Wasseranlagen.

Die Ruine der Franziskanermönchskirche und der Turm wurden 2017 saniert und nutzbar gemacht. Dabei entstand auch ein Zugang in den unteren 300 m³ fassenden Behälter des Wasserturms.

Anmeldungen von Führungen oder anderen Veranstaltungen in Mönchskirchruine und/oder Wasserturm sind in der Stadtverwaltung, Zentrale Dienste unter Telefon +49 3591 534-110 möglich.

Gerberbastei

1503 wurde der fünfgeschossige Rundturm mit seinen 3,50 m starken Mauern als Befestigungswerk erbaut. Im Kriegsfall war er von den unterhalb des Zwingers wohnenden Gerbern zu verteidigen und erhielt deshalb seinen Namen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Bastei 1620/34 zerstört und 1703 erneut aufgebaut. Sie diente als Pestkrankenhaus, Schützenbastei, Kaserne und Turnhalle (1838 bis 1866) und ist seit 1913 Jugendherberge. In den Jahren 2002 bis 2003 erfolgte eine vollständige Modernisierung der Jugendherberge, der hierbei zwei Häuser der Gerberstraße angeschlossen wurden. www.jugendherberge-sachsen.de/jugendherbergen/jh-bautzen/

Alte Wasserkunst

Als Ersatz für einen 1515 abgebrannten hölzernen Vorgängerbau von 1495/96 wurde durch Wenzel Röhrscheidt den Älteren die Alte Wasserkunst  im Jahre 1558 in ihrer heutigen Form erbaut. Sie diente der Versorgung der Stadt mit Trinkwasser ursprünglich aus der Spree, später mit in Rohrleitungen herangeführtem Quellwasser. Gleichzeitig hatte die Wasserkunst auch eine Verteidigungsfunktion der Stadtbefestigung zu erfüllen, worauf der aus Ziegelmauerwerk angebaute Wehrgang und der Geschütz-Standort vor der zur Stadtseite versetzten Spitze des Turmes hinweist. Im Langhaus war die Wohnung des Wassermeisters untergebracht, der für die ständige Funktionsfähigkeit der Wasserversorgung verantwortlich war.

Die historische Pumpenanlage förderte bis 1965 Trinkwasser in die Hochbehälter im Wasserturm.

An der Stelle des ursprünglich zum Antrieb der Pumpen genutzten Wasserrades wurde 1920 eine Turbine eingebaut, die bis heute Strom erzeugt.

1982 bis 1984 sowie 2006/07 wurde die Alte Wasserkunst umfassend restauriert.

Das Wahrzeichen der Stadt ist heute technisches Museum mit 47 m hoher Aussichtsplattform.

www.altewasserkunstbautzen.de

Die Alte Wasserkunst hat ganzjährig geöffnet. April bis Oktober täglich 10 bis 17 Uhr,
November, Dezember, Februar, März
täglich 10 bis 16 Uhr
Januar am Wochenende 10 bis 16 Uhr.

Neue Wasserkunst

In den Jahren 1606 bis 1610 wurde zur Abdeckung des erhöhten Wasserbedarfs der stetig wachsenden Stadt die Neue Wasserkunst unter dem Baumeister Wenzel Röhrscheidt jun. errichtet. Durch den Einsturz während der Bauzeit 1608 und weitere Katastrophen wie Brände und Zerstörungen im 30jährigen Krieg wurde dieses Bauwerk häufig zum Problemfall der Stadt. Im Jahre 1721 wurde die Neue Wasserkunst vollständig aus Stein neu errichtet und mit einer gemauerten Kuppel überdacht. Bis zu ihrer Stilllegung 1890 diente sie der Versorgung der Stadt mit Wasser, danach verfiel sie ungenutzt.

Von 1999 bis 2000 wurde die Neue Wasserkunst umfassend saniert. Sie ist im Rahmen einer gebuchten Führung zugänglich. Kontakt: www.neue-wasser-kunst.de

Mühlbastei

Die Bastei wurde um 1468 als runder Wehrturm erbaut. Der Name der Bastei bezieht sich auf die Große Mühle unter der Bastei und wurde 1539 in Betrieb genommen. Sie diente unter anderem als Turnhalle der Bautzener Garnison, sowie als Magazin eines Tuchfabrikanten und Besitzers der Großen Mühle in Kamenz. 1945 wurden das Turmdach und die innere Holzkonstruktion zerstört. 1997 bis 2000 wurde die Bastei zum Wohnturm ausgebaut.

Als Aussichtsturm nicht öffentlich zugänglich, Übernachtungen buchbar. Kontakt: www.muehlbastei-bautzen.de

Wendischer Turm

Zeitgleich mit dem Reichenturm wurde der Wendische Turm 1490 bis 1492 in der Nähe der Sorben (Wenden)- Siedlung zum Schutz des Wendischen Tores erbaut. 1663 verlagerte die Stadt das Schuldgefängnis in den Wendischen Turm. 1834 wurde das angrenzende Wendische Tor beseitigt. 1841 konnte ein geplanter Abriss des Turmes durch den Dresdener Architekten Gottfried Semper verhindert werden, der beim Anbau der Kaserne 1842 bis 1844 den Turm in das Ensemble einbezog. 1992 erfolgte eine Außensanierung des Turmes.

Dieser Turm ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Schülerturm

Als doppeltoriger Stadt- und Zwingerzugang wurde er als einer der ersten Türme vermutlich Ende des 15. Jahrhunderts erbaut. An der Nordseite befindet sich noch heute ein nach 1400 gearbeitetes Sandsteinrelief mit Kreuzigungsgruppe. Nach Reparaturen 1515 brannte das Turmoberteil 1634 im Dreißigjährigen Krieg aus und wurde 1673 wiederaufgebaut. Der Schülerturm war in späterer Zeit neben dem Lauenturm die zweite Nahtstelle der unterschiedlichen Verteidigungssysteme der Stadt.

Dieser Turm ist in der Regel einmal im Jahr zum Tag des offenen Denkmals für die Öffentlichkeit zugänglich.

Dom St. Petri – Domturm

Um 1000 wurde an dieser Stelle die erste Pfarrkirche errichtet. 1213 bis 1221 erfolgte die Gründung des Domstiftes St. Petri und der erste Dombau. Nach 1430 erhielt der Dom seine heutige Gestalt. 1456 bis 1463 wurde das vierte, südliche Schiff errichtet und 1492 bis 1497 fand der spätgotische Hallenbau seinen Abschluss.

Von den ursprünglich zwei geplanten Türmen wurde dabei nur der Südturm mit einer Höhe von 84 m ausgeführt. Nach den Schäden beim Stadtbrand 1634 wurde der Turm im Jahre 1664 instandgesetzt und mit einer Barockhaube versehen.

Seit 1524 ruft das im Jahr 1837 fünfstimmig erneuerte Geläut im Domturm nicht nur zur katholischen heiligen Messe, sondern auch zum evangelischen Gottesdienst.

Der Domturm ist von Ostern bis Dezember Sonnabend, Sonntag und feiertags 13.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

Matthiasturm

Die 1225 vom Meißner Bischof Bruno II. im Burgturm geweihte Kapelle wurde im 15. Jahrhundert umgestaltet. Von einem südwestdeutschen Meister wurde das 1486 geschaffene Denkmal mit dem Abbild des Königs Matthias Corvinus versehen. Der König von Ungarn und Böhmen gab dem Matthiasturm seinen Namen. Bevor gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Burgmauer für das heutige Haupttor durchbrochen wurde, war durch den Matthiasturm der einzige Zugang zur Festungsanlage. Vor dem Tor befand sich eine Zugbrücke, die über den vorgelagerten Burggraben führte. Einer Bautzener Sage nach, sind zwei eingemauerte Köpfe, die sich hinter dem Matthiasturm linker Hand an der Fassade befinden, ein Liebespaar, das sich verbotener Weise getroffen hatte. Bei einer der Stadtführungen wird diese Sage den Gästen im Detail erzählt.

Der Turm kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Kontakt: www.stadtverfuehrer-bautzen.de

Burgwasserturm

Der Burgwasserturm, als ältester Teil der Burganlage, wurde vor 1400 zur Wasserversorgung der Burg erbaut, in seinem Fuß gibt es eine Quelle. 1535 verlor er seine ursprüngliche Bedeutung und wurde Verteidigungsturm. Mit dem Verbindungsgebäude zum Burghof diente er seit 1740 als Frontfeste zum Beispiel für den Räuberhauptmann Johannes Karasek. Das Gefängnis bestand dort bis 1906. In der Schlacht um Bautzen 1945 wurden das Innere und das Dach des Burgwasserturms zerstört. Im Jahr 2000 wurden Außenhaut und Dach restauriert.

Dieser Turm ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Röhrscheidtbastei

Die Röhrscheidtbastei, auch Bastei an der Fischerpforte oder Lauenbastei genannt, wurde 1469 zum Schutz der Fischerpforte erbaut. Der Name erinnert an den Baumeister Wenzel Röhrscheidt (1510 bis 1582). Das Dach, 1639 durch die Schweden zerstört, wurde 1676 erneuert.

Die Bastei wurde 1850 als Wollniederlage an den Bautzener Besitzer der Tuchfabrik Mörbitz übergeben und 1867 mit dem Vorplatz an den Gastwirt Thiermann übertragen. 1870 bis 1890 baute Thiermann den Gaststätten- und Hotelbetrieb „Bürgergarten“, in den er die Bastei und den bereits erworbenen Bürgergarten zwischen Bastei und ehemaligen Lauentor mit einbezog. Die Bastei wurde Sitz des Geselligkeitsvereins „Schlaraffia“. Nach 1945 wurde der Bürgergarten Volkshaus und ab 1960 zum Hauptgebäude des Sorbischen National-Ensembles umgebaut. Die Bastei war von 1952 bis 2015 Trachtenfundus des Sorbischen National-Ensembles, wurde restauriert und ist auf Anfrage nutzbar.

Mühltor

Bautzens kleinstes Stadttor wurde kurz nach den erfolgreich abgewehrten Hussiten-Angriffen von 1429 und 1431 zur Absicherung des Zugangs aus dem Spreetal errichtet. Seinen Namen verdankt das Tor der 1535 bis 1539 errichteten Großen Ratsmühle. Seine heutige Gestalt erhielt das Mühltor beim Wiederaufbau nach einem Brand im Jahre 1606. Nach dem Verlust der Verteidigungsfunktion mit der Auflösung der Stadtwache 1835 diente das Gebäude zeitweise als Wohnhaus. Danach richtete ein Kunstmaler bis in die 80er Jahre hier sein Atelier ein. Von 1995 bis 1998 wurde das Mühltor denkmalgerecht saniert und dient seitdem als Begegnungs- und Ausstellungsstätte des Vereins ALTSTADT BAUTZEN e. V.

Von Ostern bis Ende Oktober kann das Mühltor mit Wächterstube im Obergeschoss Sonnabend und Sonntag von 14 bis 18 Uhr kostenlos besichtigt werden. www.altstadtverein-bautzen.de