Pressemitteilungen der Stadt Bautzen

Bautzen wird bei Dresdener Familien immer beliebter – und schrumpft dennoch

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Traditionell veröffentlicht die Stadtverwaltung am Anfang eines Jahres statistische Informationen zur Bevölkerungsentwicklung. Nun liegen die Zahlen über das Jahr 2019 vor. Zwei Aspekte lassen besonders aufhorchen.

Auf den ersten Blick wirkt die nackte Zahl alarmierend: 38.977. So viele Menschen lebten zum Stichtag, am 31. Dezember 2019, im Stadtgebiet Bautzen. Ein Jahr zuvor waren in der Spreestadt noch 39.631 Einwohner gemeldet. Dass die Zahl der hier lebenden Personen zurückgeht, ist nicht überraschend. Sie spiegelt einen Trend wider, der vor etwa sieben Jahren einsetzte. Wie deutlich die Zahl der gemeldeten Personen zuletzt zurückgegangen ist, hat aber auch in der Kommunalen Statistikstelle für Überraschung gesorgt.

Um die Tendenzen zu ergründen und daraus Schlüsse für die Stadtentwicklung zu ziehen, müssen die einzelnen Komponenten betrachtet werden. Während die Zahl der Gestorbenen eine stabile Größe darstellt – diese unterliegt den üblichen Schwankungen – ist die Anzahl der Geborenen beachtenswert. Im Jahr 2019 erblickten 302 Mädchen und Jungen in Bautzen das Licht der Welt, 60 weniger als noch im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Babyboom-Jahr 2016, wurden in Bautzen 432 Kinder geboren – so viele wie seit der politischen Wende nicht mehr.

Neben der Geburtenziffer ist es vor allem die Differenz aus Zu- und Fortzügen, die Bautzens Einwohnerzahl im vergangenen Jahr schrumpfen ließ. Gewöhnlich schwankt die Anzahl jener Personen, die in die Spreestadt ziehen, stark. 2019 fällt die Differenz allerdings ungewöhnlich hoch aus, da eine vergleichsweise geringe Anzahl Zugezogener einer vergleichsweise hohen Anzahl Fortgezogener gegenüber steht. 1.991 Personen entschieden sich für ein Leben in Bautzen, während 2.396 die Stadt verlassen haben. In den meisten Fällen zog es diese Personen in die unmittelbare Umgebung.

Deutlich weniger Geburten, ungünstige Entwicklung der Zu- und Fortzüge: Im Jahr 2019 kam alles zusammen. Damit erklärt sich der auffallend hohe Bevölkerungsverlust von 674 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Auch wenn davon auszugehen ist, dass der Bevölkerungsrückgang nicht immer so drastisch verläuft wie im vergangenen Jahr, wird der Negativtrend voraussichtlich anhalten. In der Stadtverwaltung setzt man sich deshalb mit der Frage auseinander, wie den Herausforderungen zu begegnen ist. Derzeit erarbeitet die Stadtverwaltung das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (INSEK), welches in diesem Zusammenhang als wichtigstes Werkzeug zu verstehen ist. In dem Strategiepapier wird festgelegt, in welche Richtung sich die Stadt Bautzen langfristig entwickeln soll. Um das INSEK tragfähig zu gestalten, werden in den Erarbeitungsprozess wichtige Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einbezogen.

Im INSEK wird eine klare Zielstellung definiert: Die Bevölkerungszahl in der Stadt Bautzen soll stabil bei ca. 40.000 Einwohnern gehalten werden. Oberbürgermeister Alexander Ahrens ist sich bewusst: „Natürlich setzen wir uns damit ein ambitioniertes Ziel. Aber wir können uns den Trends nicht einfach geschlagen geben. Unsere Verantwortung ist es, die Stadt Bautzen zukunftssicher aufzustellen. Genau daran arbeiten wir“, so das Stadtoberhaupt.

Wie kann dies gelingen? Lösungsansätze wird das INSEK enthalten, dessen Schwerpunkte die Themen Wohnen, Bildung, Wirtschaft und Gesundheit bilden. Erste Ansätze stehen bereits jetzt fest: So ist die Stadt gefordert, neue Wohngebiete zu erschließen. Die nun veröffentlichte Bevölkerungsstatistik bestätigt die Notwendigkeit dieses Vorhabens. Sie zeigt, dass viele Familien der Stadt Bautzen den Rücken kehren, um sich in den umliegenden Gemeinden ihren Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen. „Sowohl an Bauland als auch an größeren Mietwohnungen mangelt es derzeit in Bautzen“, weiß auch Alexander Ahrens. „Deshalb sind wir dabei, neue Wohngebiete zu erschließen.“ Als Grundlage für die einzuleitenden Schritte fungiert das Wohnkonzept, das in der kommenden Stadtratssitzung zum Beschluss vorliegt und als Fachteil in das INSEK eingeht.  

Dass es zwingend notwendig ist, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, zeigt auch der Blick auf einen weiteren Aspekt der Bevölkerungsbewegung. Von einem „zarten Pflänzchen“ spricht Angela Wolf von der Kommunalen Statistikstelle. Damit meint sie die Bevölkerungsbewegung junger Dresdener. Die Wanderungsbewegung der Altersgruppen 27 bis 40 Jahre sowie der Kinder bis sechs Jahre hat sich in den vergangenen Jahren komplett umgekehrt. Während es diese klassische „Familienaltersgruppe“ bis zum Jahr 2015 nach Dresden zog, siedeln sich nun viele Familien aus Dresden in Bautzen an. „Wer aus der Großstadt kommt, lässt sich auch gern im Bautzener Zentrum nieder“, weiß Angela Wolf. „Besonders viele der Dresdener Familien sind in die Innenstadt oder ins Villenviertel gezogen.“ 

Ein völlig anderes Bild zeigt sich in der Altersgruppe der 15- bis 27-Jährigen. Fast schon traditionell verlassen junge Bautzener die Spreestadt, um zu studieren oder eine Ausbildung zu absolvieren. Doch auch diesem Umstand möchte man sich in der Stadtverwaltung nicht tatenlos aussetzen. „Wir wollen die Berufsakademie stärken“, gibt Alexander Ahrens deshalb vor. So ist es im Rahmen des Strukturwandels geplant, die Staatliche Studienakademie zu einer dualen Hochschule auszubauen – eine Idee, die bereits im Koalitionsvertrag verankert ist. „Wenn wir der Bevölkerungsentwicklung etwas entgegensetzen wollen, müssen wir auch daran arbeiten, junge Menschen zur Ausbildung nach Bautzen zu holen“, ist Alexander Ahrens überzeugt.

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