Museum Bautzen

Tuchintarsien in Europa von 1500 bis heute

Inlaid-Patchwork in Europe from 1500 to the Present
10. April 2010 bis 6. Juni 2010

Bautzener Flickenteppich

Detail auf dem Bautzener Flickenteppich

Das Museum Bautzen präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Museum Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin vom 10. April bis zum 6. Juni 2010 die Sonderausstellung "Tuchintarsien in Europa von 1500 bis heute". Gezeigt werden große und kleine Wandbehänge, Teppiche und Decken aus Großbritannien, Deutschland, Österreich und Polen. Mit einer Fülle an Motiven, in erstaunlicher Farbfrische und in aufwendiger kleinteiliger Fertigungsweise offenbaren diese Kunstwerke dem Betrachter faszinierende Bildgeschichten in einer fast vergessenen textilen Technik.  

 

 

Tuchintarsie mit allegorischen Darstellungen auf die Vita des Kaiser Franz I. von Österreich

Ausgangspunkt für die Entwicklung dieser Werkschau ist ein vor mehr als zehn Jahren begonnenes Forschungsprojekt des Museums Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin. Ziel des Projektes war die Erfassung möglichst vieler dieser textilen Arbeiten, die zwischen dem 15. und 20. Jahrhundert entstanden sind, sowie das Aufzeigen von kultur- und kunsthistorischen Zusammenhängen hinsichtlich ihrer Produktion und Verwendungsmöglichkeiten. Bisher konnten mehr als 70 Objekte in Europa, den USA und Australien von den Wissenschaftlern ausfindig gemacht werden.

 

Tuchintarsie mit allegorischen Darstellungen auf die Vita des Kaiser Franz I. von Österreich, Österreich, um 1840, 170 x 155 cm, Heeresgeschichtliches Museum "Arsenal" Wien/Österreich, © Heeresgeschichtliches Museum Wien

 

Motive und Techniken

Patchwork eines Soldaten

Tuchintarsien sind aus zahlreichen Einzelbildern zusammengesetzt. Die figürlichen Motive zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, deuten auf konkrete historische Ereignisse und Persönlichkeiten hin, bilden Herrschaftsinsignien ab, dokumentieren militärhistorische Ereignisse oder greifen Bilder aus Flora und Fauna auf. Andere beschränken sich auf ein zeitlos ornamentales Design. Gemeinsam ist allen Ausstellungsstücken die Besonderheit ihrer aufwändigen Grundtechnik – die textile Intarsienarbeit, im angelsächsischen Raum auch "inlaid patchwork" genannt.

 

Patchwork eines Soldaten, auch "Amherst" genannt, 1766, 270 x 255 cm, Museum Sevenoaks/Großbritannien, © Sevenoaks Museum

 

Detail auf dem Bautzener FlickenteppichDas Grundmaterial ist gewalktes, schnittfestes und nicht fransendes Wollgewebe. Aus diesem werden die einzelnen Bildteile ausgeschnitten und anschließend Kante an Kante wieder zu- und ineinander gefügt. Das geschieht mit feinen Stichen, die, wenn sie im Inneren des Gewebes geführt wurden, nicht mehr sichtbar sind. Häufig wurden Stoffreste oder abgetragene Kleidung verwendet, da gewalkte Wollstoffe bis weit ins 19. Jahrhundert sehr wertvoll waren.

Detail auf dem Bautzener Flickenteppich

 

Obwohl nicht eindeutig auszumachen ist, wer die Teppiche und Decken angefertigt hat, kommen als Entstehungsorte vor allem Klöster, zivile und militärische Schneiderwerkstätten und bürgerliche Stuben in Betracht.

Der Bautzener "Flickenteppich"

Bautzener Flickenteppich

Mit der Sonderausstellung kehrt, wenn auch nur für einen begrenzten Zeitraum, eines der eindrucksvollsten und bedeutendsten Objekte aus der Bautzener Sammlung in die Region zurück. Erstmals seit der Schließung des Museums im Jahr 2004 wird der Bautzener "Flickenteppich" im Haus am Kornmarkt wieder zu sehen sein. Der zwischen 1776 und 1779 entstandene Teppich wurde um 1900 vom Stifter und Museumsgründer Oskar Roesger (1843-1910) in die Sammlung eingebracht. Es handelt sich laut Inventarverzeichnis um ein Geschenk des Oberstleutnant von Hammerstein.

Bautzener Flickenteppich, Bautzen/Südostdeutschland, 1776/1779, 240 x 210 cm, Museum Bautzen/Deutschland, Foto: Claudia Obrocki, © Museum Bautzen

Der Bildteppich zeigt sowohl ornamentale als auch figürliche Motive. Im Zentrum befindet sich ein Sternmotiv, das von geometrischen Mustern und Schachbrettern gerahmt wird. Auf Bildstreifen und umlaufenden Bändern sind unter anderem Bergmänner in Uniformen, Jäger neben springendem Wild, säbelschwingende Husaren, Türken mit Tabakspfeifen, marschierende Infanteristen sowie Blüten, Pflanzen, Sterne, Kreise und Vierecke dargestellt. Auch das kursächsische Wappen mit Kurhut und der Doppeladler mit Krone, Reichsapfel und Zepter finden sich auf dem Teppich.

Tuchintarsie "Stückwerk Berlin – Stückwerk Europa"
und "Auf ein Wort"

Die jüngste, in Bautzen gezeigte Intarsienarbeit ist der 2008/ 2009 geschaffene Bildteppich "Stückwerk Berlin – Stückwerk Europa" der Berliner Textilkünstlerin Ursel Arndt. Zusammen mit dem Museum Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin entstand im Rahmen eines Kunstprojektes dieser zeitgenössische Wandbehang, der die aktuelle Bilderwelt in Form gesprayter Schablonenbilder thematisiert. Unter dem Titel "Auf ein Wort" entsteht zurzeit eine neue Tuchintarsie. An der Entstehung dieses Texttuches und dem Spiel mit den Worten können sich Besucherinnen und Besucher im Rahmen eines mehrtägigen Workshops während der Ausstellung im Museum Bautzen beteiligen.

 

Tuchintarsie "Stückwerk Berlin - Stückwerk Europa", Berlin, 2008/2009, Textilkünstlerin Ursel Arndt und Teilnehmerinnen der Workshops, 360 x 120 cm, Museum Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin/Deutschland, Foto: Ute Franz-Scarciglia, © SMB, Museum Europäischer Kulturen)

 

Begleitprogramm

Begleitet wird die Ausstellung von einem abwechslungsreichen Programm mit Führungen der Kuratorinnen Dr. Dagmar Neuland-Kitzerow und Salwa Joram (Museum Europäischer Kulturen), einem mehrtägigen Workshop der Textilkünstlerin Ursel Arndt (Berlin) sowie dem kreativen Gestalten einer Tuchintarsie unter Anleitung der Restauratorin Ulrike Telek (Museum Bautzen).

Führungen können bei Herrn Schollmeyer (03591 4985-20) und an der Museumskasse (03591 4985-33) angemeldet werden.

 

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Museum Bautzen – Plakat der Ausstellung  Tuchintarsien in Europa von 1500 bis heute