Museum Bautzen

Traumzeitkarussell

Rolf Münzner – Grafik und Zeichnung
5. September 2010 bis 7. November 2010

»Für Callot und A. P. Weber«»Für Callot und A. P. Weber«. 1987. Steindruck-Asphaltschabtechnik. © Rolf Münzner Geithain

Das Museum Bautzen präsentiert auf einer Fläche von 400 Quadratmetern rund 135 grafische Blätter, 85 Zeichnungen und bibliophile Bücher, Einblattdrucke und Mappenwerke von Rolf Münzner aus der Zeit von 1967 bis heute. Die Arbeiten stammen aus dem Besitz des Künstlers sowie aus den Sammlungen des Museums der Bildenden Künste Leipzig und dem Lindenau-Museum Altenburg. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören die Zeichnungen und graphischen Zyklen zu »Der Meister und Margarita« von Michail Bulgakow, »Simplicius Simplicissimus« von Christoffel von Grimmelshausen, »Don Quixote« von Miguel de Cervantes Saavedra und »Der Ackermann und der Tod« von Johannes von Saaz.

Künstlerisches Werk

»Finsternis«»Finsternis« – Blatt 7 zu Michael Bulgakows »Der Meister und Margarita«. 1976. Steindruck


Rolf Münzners Werk besticht durch den Reichtum an technischen und gestalterischen Möglichkeiten und weist ihn als einen Erzähler und Bilderfinder großen Stils aus. Die Zeichnung bildet die Grundlage seines Schaffens und ist dessen unmittelbarer Ausdruck. Den Grafiken gehen Skizzen und Studien mit Feder und Kreide voraus. Viele der teils farbigen Blätter besitzen für ihn den Status gültiger Kunstwerke. Der Steindruck mit seiner Dominanz in Schwarzweiß ist für ihn ein autonomes Ausdrucksmittel, dessen technischen Spielraum er virtuos ausreizt. Zugunsten der Wirkung der Motive lässt er auch bewusst durch die Reduzierung der Mittel die Perfektion in den Hintergrund treten.

»Simplex mit Kalbsmaske« zum »Simplicissimus«»Simplex mit Kalbsmaske« zum »Simplicissimus«. 1990-2007.
Feder Pinsel und Tusche.


Münzners Arbeiten zeichnen sich durch die Freude am Erzählen, gedankliche Tiefe, überschäumende Phantasie und der Hang zum Skurrilen aus. Die Bildideen empfängt er aus der realen Welt und literarischen Texten. Nimmermüde spürt er Zeit, Raum und existentiellen Fragen des Lebens nach. Die Eindrücke verfremden sich in seiner Imagination zu Phantasiegebilden und -gefilden von zuweilen alptraumhafter Wirkung. Viele Blätter offenbaren eine Welt des Umbruchs, grotesk, verworren und bedrohlich, die voller Dynamik ist und keinen Stillstand duldet. Überall sind Licht und Schatten, Geheimnis und Trauer, Sarkasmus und Poesie.

Vielgestaltige Figuren entfachen einen Wirbel an Bewegungen, Versatzstücken und Landschaftsfragmenten. In allem steckt innere Bedeutung, oft rätselhaft, sich scheinbar aller Erfahrung entziehend. Letztendlich stößt der Betrachter überall auf ein zutiefst ernstes und wahrhaftiges, gesellschafts- und moralkritisches Menschenbild.

»Wie Bouvard und Pécuchet«»Wie Bouvard und Pécuchet«. Feder Pinsel und farbige Tusche.

Das Schaffen von Rolf Münzner steht in engem Zusammenhang mit der Literatur. Der Künstler schätzt vor allem philosophisch anspruchsvolle Texte, die seiner Vorliebe für Satire entgegenkommen und ihm Spielraum für Phantasie lassen. Unter den von ihm bevorzugten Autoren finden sich Klassiker wie auch moderne Schriftsteller der europäischen Literatur.
Seine Blätter zur Literatur versteht Münzner nicht im Sinne von Textillustrationen, die der reinen Bebilderung des Inhaltes dienen. Ihm geht es vielmehr um die tiefsinnige Deutung der Werke, um eine Erhellung ihres inhaltlichen Gehaltes. Die literarischen Vorlagen bieten ihm Stoff und Anregungen zur Entfaltung eigener Gedanken, Vorstellungen und Weltbilder.



»Ein Streichquartett«»Ein Streichquartett«. 2002. Steindruck-Asphaltschabtechnik und Ritzung (in 2 Farben).


In der Auseinandersetzung mit den Texten verbindet Münzner Gelesenes mit den Erinnerungen an eigene Erlebnisse. Dabei erweist er sich als ein höchst origineller Interpret, der tief in den Gehalt der Dichtungen vordringt, sich aber von den Vorlagen auch wieder zu lösen vermag. So bleibt sein Verhältnis zur Dichtkunst größtenteils »freigrafisch« und ist eine vom Text autonome Reflexion. Die neben den Buchillustrationen entstandenen freien Zeichnungen und Grafiken können daher unabhängig von ihrer literarischen Vorlage gesehen werden.

Illustrierte Bücher in hohen Auflagen schmücken in der Regel einfarbige oder farbig lavierte Federzeichnungen. Die Zeichnung kommt der Spontaneität des Entwurfes und seiner Ausführung entgegen. Bei Pressendrucken überwiegt der Rückgriff auf die Schablithografie. In ihrer Ausführung sehr aufwändig erscheint sie für leichtgewichtige Stoffe weniger geeignet.

Steindruck in Asphaltschabmanier

Rolf Münzners künstlerischen Anfänge stehen im Zeichen der Radierkunst. Seit 1970 beschäftigt er sich mit dem Steindruck in der Asphaltschabmanier. Das Verfahren der Schablithografie ist kompliziert und erfordert große Erfahrung. Es beruht auf dem negativen Vorgang, aus dem Dunkel des Grundes die Zeichnung hell beziehungsweise weiß hervortreten zu lassen. Das Bild entsteht nicht mit Tusche und Kreide auf der glatt geschliffenen und blanken Oberfläche des Lithosteines.

»Atelier I«. 1978. SteindruckStattdessen wird auf diesem ein tiefbrauner, fetthaltiger und ätzwiderstandsfähiger Asphaltgrund dünn und gleichmäßig aufgewalzt. Nachdem diese Schicht ausgehärtet ist arbeitet der Künstler aus der dunklen Fläche mit einem Schabeisen und Nadeln die Zeichnung heraus. Dabei holt er die hellen Linien, mit denen er seine Bildwelten gestaltet, ans »Licht«.

»Atelier I«. 1978. Steindruck - Asphaltschabtechnik.



»Hommage à Senefelder«Münzner beherrscht die Technik der Schablithografie virtuos und führt sie zu künstlerischer Vollendung mit einem zuvor nie gekanntem Form- und Ausdrucksspektrum. Aus feinen Strichen und zarten Schabspuren entwickelt er in unendlichen Tonabstufungen, Schattierungen und Nuancen die Motive. Diese bestechen durch die Präzision der Zeichnung, die Plastizität der Figuren und Objekte, die vollkommene räumliche Illusion sowie das Wechselspiel von Licht und Schatten.

»Hommage à Senefelder«. 1985. Steindruck-Asphaltschabtechnik.


Biografie 

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