Museum Bautzen

Wer schön sein will, muss … zum Friseur

Bilder und Geschichten eines alten Handwerks. Sammlung Gunter Heil, Riesa

Beim Barbier. Karikatur. Um 1920.

Abb.: Beim Barbier. Karikatur. Um 1920.

Bader – Barbiere – Perückenmacher – Friseure

Aus kaum einem anderen historischen Handwerk haben sich so zahlreiche Berufe herausgebildet, wie aus dem der Bader und Barbiere. Beide Berufsstände gehörten zum Chirurgenhandwerk. In den Badestuben, deren Blütezeit im 16. Jahrhundert wegen der wiederkehrenden Seuchengefahr endete, betrieben sie nicht nur Körperpflege und Kosmetik, sondern versorgten auch Wunden, richteten Brüche, zogen Zähne, schröpften und ließen zur Ader. Die Aufgaben der Bader, Wundärzte und Barbiere überschnitten sich häufig, was oft zu Streitigkeiten führte. Im Laufe der Zeit spezialisierten sich Augenärzte, Knochenärzte, Bruch- und Steinschneider oder Zahnärzte heraus. Der im 17. Jahrhundert gefragte Perückenmacher betätigt sich seit dem 19. Jahrhundert zunehmend als Damenfriseur, der Barbier dagegen als Herrenfriseur.

Die Sammlung von Gunter Heil

Dauerwell-Apparat der Firma Wella, Franz Ströher AG 1936

Abb.: Dauerwell-Apparat der Firma Wella,
Franz Ströher AG 1936

Das Friseurhandwerk bestimmt in der Familie von Gunter Heil seit über einem Jahrhundert das berufliche Leben. Sein Großvater, Otto Karl Heil, eröffnete 1902 in Riesa eine Haarschneidestube. In der Garnisonsstadt mit tausenden Soldaten und Offizieren gab es Kunden im Überfluss. Von den vier Gehilfen arbeiteten gleich zwei vor Ort in der Kaserne.
Rasieren kostete damals 20, Haarschneiden zwischen 60 und 90 Pfennige.
In dem Familienunternehmen, das inzwischen von der vierten Generation geführt wird, häuften sich zahlreich ausgediente Werkzeuge, Gerätschaften und Dokumente an. Heute sammelt Gunter Heil gezielt zur Geschichte der Bader und Barbiere, Perückenmacher und der Friseure, um die Sammlung zu komplettieren. Inzwischen umfasst sie rund 400 Objekte.
Neben Kämmen, Bürsten und Scheren, Flohfallen und Parfümfläschchen, Barbiermessern, Barbierschalen und Bartbinden findet man Skarifiziermesser, Schnepper und Saugköpfe für den Aderlass und zum Schröpfen, aber auch Zangen zum Zähneziehen oder Klistierspritzen zur Behandlung von Darmbeschwerden.

Rasiermesser mit Darstellung von Jagdszenen, um 1902.

Abb.: Rasiermesser mit Darstellung von Jagdszenen, um 1902.

„Haarige“ Kunst

Anhänger mit eingelegter Haararbeit

Abb.: Anhänger mit eingelegter Haararbeit

Schmuck und Bilder aus menschlichem Haar bilden einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung. Haar besitzt eine große symbolische Bedeutung. Auf Grund seiner Eigenschaft, auch nach dem Tode nicht zu vergehen, lässt es sich hervorragend für die Andenken- und Erinnerungskultur verwenden. Die Beliebtheit, Haar zu Schmuck oder Bildern in scheinbar unerschöpflichen Varianten zu verarbeiten, ist ein Phänomen des 19. Jahrhunderts.
Erinnerungs- und Trauerbilder, Poesiealben und Postkarten, Puderdöschen und Geldbörsen zeugen ebenso wie die Uhrenketten, Armbänder, Ringe, Halsketten und Kropfbänder, Ohrringe, Broschen und Medaillons von der Meisterschaft ihrer Hersteller.

Friseurhandwerk in Bautzen

Objekte aus dem Bestand des Bautzener Museums sowie Leihgaben von Friseurmeistern aus der Region vervollständigen die Ausstellung und illustrieren die hiesige Entwicklung des Handwerks. Zu sehen sein werden unter anderem Innungsladen und -akten der Bader, Barbiere und Wundärzte, der Perücken- sowie der Kammmacher aus Bautzen, Schmuckkämme und Musterbücher aus der Zeit des Biedermeiers und historische Objekte aus dem ehemaligen Friseursalon Funke auf der Reichenstraße in Bautzen.

Frühes Modell einer Trockenhaube.

Abb.: Frühes Modell einer Trockenhaube.

Reklamemarken verschiedener Kammhersteller, Um 1910Reklamemarken verschiedener Kammhersteller, Um 1910Tinkturen und Pflegeprodukte

Abb.: Reklamemarken verschiedener Kammhersteller, Um 1910
Tinkturen und Pflegeprodukte

Startseite | Sitemap Impressum | Textversion Seitenanfang

Le Musée de la Coiffure, Sainte-Vertu, Fotosammlung.

Abb.: rechte Randspalte: Le Musée de la Coiffure, Sainte-Vertu, Fotosammlung.

Faltblatt zum Download