Museum Bautzen

Herr Ober, ein Helles bitte!

Braukunst und Bierschank in Bautzen einst und heute
3. September 2011 – 6. November 2011

Die Ausstellung

Bier ist ein altes Volksgetränk. Es zählte jahrhundertelang zu den wichtigsten Nahrungsmitteln. Auch im Leben der Bautzener spielt es von jeher eine bedeutende Rolle. Bis in das 14. Jahrhundert lässt sich die Entwicklung des lokalen Brauwesens zurückverfolgen. Die neue Sonderausstellung im Museum Bautzen blickt auf die Geschichte des lokalen Brauwesens und die Traditionen städtischer Brauereien. Sie berichtet von Bautzener Gaststätten und Hotels, deren Schankkultur zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und dem Zweiten Weltkrieg eine Blütezeit erlebten. Auf die technologischen Aspekte des Bierbrauens geht sie ebenso ein wie auf das alte Handwerk des Böttchers, der neben Schank- und Trinkgefässen, Fässer für die Produktion, Lagerung und den Ausschank von Bier fertigte. Auch die Auswirkungen des Bierbrauens und -trinkens auf verschiedene Bereiche des städtischen Lebens, vor allem auf die Wasserversorgung und das Lösch- wie Schützenwesen, werden betrachtet.

Postkarte

Postkarte "Prosit aus dem gemütlichen Bautzen" um 1905-10. Anonymus

Anhand historischer Urkunden und Dokumente, künstlerischer Darstellungen und Fotografien, von Handwerksgegenständen und Kleintechnik der Bierbrauer und Mälzer, von Fässern, Flaschen, Humpen, Gläsern, Plakaten, Reklameschildern, Werbeanzeigen, Bierdeckeln und Erinnerungsstücken aus den Bautzener Brauereien, Bierverlagen und Gastwirtschaften erzählt die Ausstellung interessante Geschichten rund um das Bautzener Bier. Natürlich darf bei alledem der Genuss des beliebten Gerstensaftes nicht zu kurz kommen. An bestimmten Tagen (unter anderem am 3.9., 11.9. und 5.11.) kann deshalb in einem Biergarten im Museum original Bautzener Bier genossen werden.

Ein Großteil der gezeigten Objekte stammt aus der Privatsammlung des Bautzeners Klaus Schröder. Außerdem bedient sich die Ausstellung der Bestände des Museums Bautzen, des Archivverbunds Bautzen/Stadtarchiv, der Stadtbibliothek Bautzen, des Sorbischen Museums Bautzen, des Stadtmuseums Löbau, der Städtischen Museen Zittau, der Bautzener Brauerei GmbH, der Radeberger Gruppe KG – Radeberger Exportbierbrauerei, der Spree-Pension Bautzen und zahlreicher privater Leihgaben.   

Bautzen und das Bier – Ein Blick zurück

Das Brauen und Ausschenken von Bier besaß jahrhundertelang sehr große Bedeutung für das wirtschaftliche Leben in Bautzen. Seit dem Mittelalter gehörte das Brauwesen zu den lukrativsten Einnahmequellen der Bürger. Kaiser Karl IV. verlieh den Bautzenern 1374 das Braurecht und sorgte damit für den Schutz des Bieres vor auswärtigen Konkurrenten. Das Recht besagte, dass innerhalb einer Meile, etwa 7,5 Kilometer, um die Stadt kein fremdes Bier gebraut und ausgeschenkt werden durfte. Bis in das 16. Jahrhundert blieb die Brautätigkeit ein Vorrecht des Patriziats. Bis in das 19. Jahrhundert durften nur diejenigen Bier brauen, die im Besitz eines Bierhofes oder des Brauurbars waren. 1780 gab es in der Bautzener Innenstadt 78 Bierhöfe mit 733 Bierbraugerechtigkeiten. Ausgeschenkt wurde das Bier in den Bier- und Gasthöfen der Stadt und des Umlands.

Plakat der Bautzener Brauerei & Mälzerei um 1910

Plakat der Bautzener Brauerei & Mälzerei AG Bautzen um 1910. Anonymus

 

 

 

 

 

Im Im Jahre 1846 schlossen sich die brauberechtigten Bürger und die Hausbrauereien zu einer kommunalen Genossenschaft zusammen und errichteten an der Neusalzaer Straße ein Brauhaus zur industriellen Produktion von Bier.

Ansicht der Bautzener Brauerei aus dem Jahr 1972

Bautzener Brauerei & Mälzerei - 125-jähriges Betriebsjubiläum. Kurt Heine

   

 

 

 

Aus der Commun-Brauerei zu Bautzen (Braugenossenschaft zu Bautzen) wurde 1880 die Bautzener Brauerei und Mälzerei Aktiengesellschaft. Sie galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als größter Braubetrieb im sächsischen Teil der Oberlausitz. In den folgenden Jahrzehnten eroberten jedoch verstärkt Biere auswärtiger Brauerein den hiesigen Markt. Mit der Bautzener Felsenkeller-Brauerei Johannes T. Litter, welche von 1880 bis 1920 existierte, besaß die Aktiengesellschaft zudem einen starken Konkurrenten vor Ort. 1939 ging die Brauerei in den Besitz von Ulrich Gautzsch über. Sieben Jahre später und vom Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt überführte man sie in Volkseigentum.

LKW der Bautzener Brauerei auf der Friedensbrücke

LKW der Bautzener Brauerei & Mälzerei auf der Friedensbrücke 1954. Anonymus

 

 

 

Der VEB Bautzener Brauerei bestand bis 1990. Wenige Wochen nach der Wiedervereinigung stellte er aufgrund der stark gesunkenen Nachfrage seine Produktion vollständig ein. Sechs Jahre später musste die Brauerei, die noch einige Jahre als GmbH weiter existierte, dem neu entstehenden Arbeitsamt weichen. Seit 1993 produziert die Bautzener Brauerei Vertriebsgesellschaft mbH Bautzener Bier. Hierfür ließ sie Mitte der 1990er das „Keglerheim“ in der Thomas-Mann-Straße sanieren und richtete eine Handwerksbrauerei mit eigener Gaststätte ein. Auch die „Spree-Pension“ in der Bautzener Fischergasse bietet seit 2006 unter der Marke „Frenzel-Bräu“ Biere aus der eigenen Hausbrauerei an.  

Das Begleitprogramm 

Neben Führungen beinhaltet das Programm rund um die Ausstellung verschiedene Vorträge zur Geschichte des Bieres und zum Bautzener Brauwesen. Eine Stadtführung lädt zum Entdecken der historischen Gaststätten in Bautzen ein. Auch Besichtigungen des Brauhauses im Bautzener Keglerheim und der Gasthausbrauerei in der „Spree-Pension“ mit anschließender Bierverkostung sind geplant.

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