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Altenpfleger – Männer im Frauenberuf

Während es im Bereich der häuslichen Pflege einen überraschend hohen Anteil von Männern zumindest über 60 Jahren gibt, ist der Pflegeberuf nach wie vor eindeutig weiblich konnotiert. Die historische Entwicklung sogenannter Frauenberufe brachte Weiblichkeitssymbole und -dynamiken mit sich, die vor allem jungen Männern eine Identifikation mit solchen Berufen erschweren. Weibliche Zuschreibungen, wie Einfühlungsvermögen, Empathie oder Hingabe, herrschen als geheime gesellschaftliche Normierungen dieser Berufe vor. Hinzu kommen weitere Stereotype, wenn Männer tatsächlich in der Pflege tätig sind. Im Gegensatz zu den Frauen wird ihnen nun das „typisch Männliche“ zugeschrieben: Körperkraft, Robustheit und handwerkliche Kompetenz (Bartjes u. Hammer 2005).

Gesellschaftliche Zuschreibungen an einen Beruf und die damit verbundenen Werte, Haltungen und Einstellungen vermitteln sich den Ausübenden über Freunde, Kollegen oder die Familie – nicht zuletzt aber auch über die Arbeitsstrukturen und Arbeitsinhal¬te. All die hierin enthaltenen geschlechtsstereotypischen Klischees machen es den wenigen Männern in Pflegeberufen schwer, einen eigenen Weg in diesem Berufsfeld zu finden. Für sie wäre es sehr hilfreich, würden hier konkret formulierte Schlüsselqualifikationen ausgewiesen, die sich von geschlechtlichen Zuweisungen des Anforderungsprofils lösen.

Der Pflegebedarf steigt in unserer Gesellschaft angesichts der demografischen Entwicklung erheblich an. Gäbe es genügend Interessent(inn)en, könnte sich der Pflegebereich in den nächsten Jahren zu einem bedeutenden Jobmotor entwickeln. In den letzten zehn Jahren jedoch ist die Zahl der Ausbildungsanfänger(innen) in Pflegeberufen insgesamt um 1,5 % gesunken, bei Frauen sogar um 2,9 %. Das stellt eine erhebliche Gefährdung des professionellen Pflegesystems in unserer Gesellschaft dar. Nachhaltige Maßnahmen aus schulischer, beruflicher, sozialpolitischer und gesellschaftlicher Perspektive sind unerlässlich und sollten vor allem junge Männer mehr in den Fokus als zukünftige Pfleger nehmen. So muss neben der Verbesserung der Arbeitszeiten, Entlohnung und Aufstiegschancen v. a. an der Bewusstseinsbildung junger Männer gearbeitet werden.

Zunehmend entwickeln und fördern die Politik und die großen Träger von Pflegeeinrichtungen Projekte zur Sensibilisierung von Jungen für dieses neue Berufsfeld. Mithilfe zahlreicher jungengemäßer Aufklärungsmaterialien, Werbekampagnen und Filmspots machen Initiativen junge Männer auf bisher typisch weibliche Berufe aufmerksam. Dabei werden weibliche Konnotationen dieses Berufsfeldes entschärft und der Mentalität der Adressaten angemessene Kriterien und Anforderungsprofile präsentiert. Junge Männer berichten über ihren Alltag als Altenpfleger, über die Motive ihrer Berufswahl, die Anforderungen ihres Jobs und ihren Spaß dabei. Solche Werbung braucht Männer, die sympathisch und cool, aber ernsthaft daherkommen und durchaus Vorbilder für Jungen darstellen können.
Solche Vorbilder bedürfen der gesellschaftlichen Unterstützung. Zum Beispiel ist es ein wichtiger Schritt, den sog. Girlsday zunehmend zu einem geschlechterübergreifenden Zukunftstag auszubauen, bei dem auch Jungen Einblick in soziale, erzieherische und pflegende Berufe erhalten, so die Initiative Neue Wege für Jungs – Bundesweites Netzwerk und Fachportal zur Berufswahl und Lebensplanung von Jungs. Es braucht in den Sozialberufen auf allen Ebenen sowohl Frauen als auch Männer, die sich mit ihren unterschiedlichen Zugängen und Talenten einbringen, weil die Menschen, die betreut werden, Männer und Frauen sind.

Quelle: Martin Rosowski; Männer und Pflege – Eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit http://www.dza.de/fileadmin/dza/pdf/Heft_04_2012_Juli_August_2012_gekuerzt_PW.pdf

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