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Stadtansicht Bautzen - Blick von der Friedensbrücke

Aktueller Stand Spreequerung

„Bisher haben wir nur ein Stück Pappe“
„Auf einem Felsplateau hoch über der Spree thront die Stadt Bautzen mit ihrer Ortenburg …“ steht in diversen touristischen Publikationen geschrieben. Fast so alt wie die Besiedlung ist die Diskussion, wie man den Fluss sinnvoll überwinden kann. Die Frankfurt, die Heilige-Geist-Brücke und die Scharfenwegbrücke waren wohl die ersten Überquerungsmöglichkeiten, später kamen die heutige Friedensbrücke, die Autobahn am Abgott und die Westtangente dazu. Spätestens seit der Wende wurde weiter über Brücken und sogar Seilbahnen spekuliert und im Sommer dieses Jahres bekam die Diskussion neuen Wind. Studenten der Fachbereiche Architektur und Landschaftsarchitektur der TU Dresden hatten sich einer Gestaltungsstudie gewidmet und die Ergebnisse öffentlich gemacht. Daraus entwickelten sich Begehrlichkeiten.

Braucht Bautzen eine neue Spreequerung?
Grundsätzlich sieht die politische Führung in einer Brücke über die Spree in mehrerlei Hinsicht einen Mehrwert. Die angedachte Spreequerung zwischen der Schliebenstraße und der Ortenburg würde eine direkte Verbindung zwischen dem touristischen Parkplatz auf der einen und der Altstadt auf der anderen Seite schaffen. Abgesehen davon, dass eine Brücke auch eine eigene Attraktion darstellt, bliebe Besuchern der Weg über die Friedens- oder die Scharfenwegbrücke erspart. Gleichzeitig ließe sich die angespannte Parkplatzsituation in der Innenstadt entlasten. „Grundsätzlich halten wir an der Idee fest“, betont Oberbürgermeister Alexander Ahrens. Trotzdem verweist er darauf, „dass wir bisher nur ein Stück Pappe in einem 3-D-Modell haben, mehr nicht. Wir wollen die Brücke, aber das ist ein aufwendiger und komplexer Prozess. Sehr positiv ist, dass auch der Stadtrat mit großer Mehrheit hinter diesem Vorhaben steht. Auch deshalb bin ich da optimistisch.“

Was gibt es bei einem Brückenprojekt zu beachten?
Juliane Naumann, Bürgermeisterin für Bauwesen, verweist auf vier wichtige Felder: „Wir reden über eine Brücke, wir reden über die Gestaltung der Fläche an der Schliebenstraße, wir reden über den Kauf von Grundstücken und wir reden über die Wegebeziehungen und Eigentümerverhältnisse auf der Ortenburg“. Jede einzelne Säule der Überlegungen beinhaltet eigene Schwerpunkte. So befinden sich die Grundstücke auf der Westseite durchweg in privater Hand. Hier werden Verhandlungen geführt, Tauschangebote und Kaufverträge müssen ausgehandelt werden. Über die Gestaltung des Areals hat man sich bislang nur bedingt Gedanken machen können. Zur Auswahl stehen Parkplätze, eine Bürgerwiese sowie Kombination aus beidem.
Auch die Brücke selbst muss modifiziert werden. Sie würde ein Geotop und archäologische Denkmale tangieren, ein Naturdenkmal und die denkmalgeschützte Ortenburg. Alle Bereiche sind in Deutschland rechtlich geschützt, der Eingriff teils mit erheblichem zeitlichem und bürokratischem Aufwand verbunden. Allein die Naturschutzbehörden fordern beispielsweise eine Beobachtung der Flora im Jahreskreislauf. Alexander Hennig, Referent für Stadtentwicklung: „Stadtentwicklerisch müssen wir zudem bewerten, wie sich in der Stadt die Wegebeziehungen ändern. Altstadtnahe Bereiche dürfen durch die Vorhabensumsetzung nicht negativ beeinflusst werden. Das darf nicht passieren“.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?
„Zunächst sortieren wir, welche überörtlichen Ämter und Behörden in die Arbeit einbezogen und welche rechtlichen Grundlagen beachtet werden müssen“, so Hennig. Dann gilt es die Grundstücksproblematik genauestens zu analysieren. Der nächste Schritt wäre die Aufgabenstellung für eine technische Machbarkeitsstudie. Parallel muss ein für das Vorhaben notwendiger Bebauungsplan erstellt werden. Ebenfalls nicht unwesentlich ist die Finanzplanung für das Vorhaben – was kostet es, was kann die Stadt leisten und welche Fördermöglichkeiten bestehen in welchem zeitlichen Rahmen? Alexander Hennig ergänzt: „Im Harz ist jüngst eine Brücke eingeweiht worden, die nicht über bebaute Grundstücke führt und im Winter nicht genutzt werden darf. Zudem war es ein rein privates Vorhaben. Die Planungszeit dort betrug beinahe vier Jahre“.

Brücke zuerst? Die Stadt hat viele Prioritäten!
Die Stadt Bautzen sieht sich derzeit vielen Herausforderungen gegenüber. Die erfreulich hohe Geburtenrate zwingt uns zum Bau neuer Kindereinrichtungen. Parallel wird ein neuer Grundschulstandort diskutiert. Gewerbe- und Industriegebiete sollen entwickelt werden und das Straßensystem ist an mancher Stelle noch immer eine Herausforderung. Dennoch bleibt die Spreequerung auf der ToDo-Liste weit oben, sie muss aber im Verhältnis zu anderen schon bestehenden Aufgaben eingeordnet werden, Pflichtaufgaben der Stadt dürfen davon nicht verdrängt oder dadurch verschoben werden. „Wir machen uns gerade ein Bild davon, was in den nächsten Schritten tatsächlich auf uns zukommt“, betont Oberbürgermeister Alexander Ahrens. „Je mehr wir in die Tiefe gehen, umso mehr Problemfelder tun sich auf. Wer jetzt nach einer Umsetzung des Projektes in den nächsten ein bis zwei Jahren ruft, sollte seinen Blick für die Gesamtheit der Aufgabe schärfen. Innerhalb dieser Rahmenbedingungen wollen wir die Brücke trotzdem so schnell wie möglich.“ Dazu wird die Stadtverwaltung in regelmäßigen Abständen informieren.

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