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Stadtansicht Bautzen - Blick von der Friedensbrücke

Statement des Oberbürgermeisters der Stadt Bautzen

zum Brand der geplanten Asylunterkunft „Husarenhof" am 21. Februar 2016

 

Oberbürgermeister Alexander Ahrens am 21. Februar vor dem Hotel "Husarenhof"

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bautzen,

am vergangenen Sonntag stand das Hotel „Husarenhof“, eine für etwa 300 Asylsuchende geplante Unterkunft, in Flammen. Seitdem begegnen uns deutschlandweit die Bilder und Kommentare über Bautzen in den Medien. Ich habe mich in den Stunden nach dem Brand intensiv bemüht, das Gespräch mit vielen Journalisten zu suchen und ihnen ein Bild außerhalb des Polizeiberichtes zu geben. Viele kamen mit Vorurteilen und zeigten sich dann positiv überrascht, wie sich die Menschen in unserer Stadt bislang mit dem Prozess der Unterbringung Schutzsuchender auseinandergesetzt haben. Im ARD-Morgenmagazin am Montag habe ich die Frage, ob man sich für die Stadt schämen müsse, verneint. Das hat einerseits seinen Grund darin, dass in den vergangenen anderthalb Jahren die Diskussion um die Flüchtlingsunterbringung in Bautzen zwar recht emotional, aber doch weitgehend sachlich geführt worden ist. Andererseits gibt es ein breites bürgerschaftliches Engagement in der Flüchtlingshilfe, welches mitverantwortlich dafür ist, dass die mittlerweile sechs Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt reibungslos funktionieren. Dennoch bestimmen jene 20 bis 30 Menschen, die in widerlicher Weise grölend gegen die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr skandierten, einen Teil der Schlagzeilen.

Wir müssen unsere Anstrengungen weiter verstärken, die gesellschaftliche Diskussion der Frage „in welchem Land wollen wir leben?“ voranzutreiben und diese Frage auch mit der Gretchenfrage „Wie hältst Du’s mit der Menschlichkeit?“ zu verbinden. Ich jedenfalls bin zuversichtlich, dass wir hier noch weiter auf dem richtigen Weg vorankommen. Wir sollten dieses beschämende Ereignis eher als Ansporn zu einem „Jetzt erst recht“ nehmen. Weder lassen wir uns von Hohlköpfen unsere Stadt kaputtmachen, noch werden uns Brandstifter vorschreiben, wen wir wann und in welcher Anzahl und zu welchen Bedingungen in unserer Stadt aufnehmen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass man mit Andersdenkenden den Dialog suchen und kontinuierlich führen muss – gerade in der Flüchtlingsfrage. Es ist nicht mehr zeitgemäß, sich Gesprächen mit der AfD oder Pegida zu verwehren. Wenn zum Beispiel Frau Petry und Frau Storch in gespielter Unwissenheit darüber schwadronieren, Flüchtlinge mit Waffengewalt an den Grenzen aufhalten zu wollen, kann man das nicht kommentarlos hinnehmen. Die Menschen, die an dieser Stelle die Politik zum Handeln auffordern, haben völlig Recht und ich werde mich persönlich sehr dafür einsetzen.

Wir erleben heute in den sozialen Netzwerken, im Gästebuch der städtischen Homepage und in persönlich adressierten Schreiben sehr viel pauschalisierte Kritik am Osten Deutschlands und an den Menschen die hier leben. Es erreichen mich inzwischen aber auch sehr viele aufmunternde Worte und Lob über die Außendarstellung der Stadt direkt nach dem Vorfall. Vor uns allen, die wir unsere Stadt schätzen und lieben, liegt nun die große Herausforderung, das verlorene Image wieder aufzubauen. Schon wenige Stunden nach dem Brand zeigten fast 300 Menschen Gesicht, um ihrem Frust Luft zu machen und für ein friedliches Miteinander einzustehen. Ich rufe alle Bautzenerinnen und Bautzener und die Freunde unserer Stadt auf, näher zusammenzurücken und sich noch stärker als bisher einzubringen, sachlich zu diskutieren, positive Signale zu setzen – Demokratie zu leben.

Alexander Ahrens
Oberbürgermeister

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