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Stadtansicht Bautzen - Blick von der Friedensbrücke

Archivverbund: Geschichte einer vergessenen Kostbarkeit

Unter dem Titel „Geschichte hat Gewicht. Die Chronik des Christian Gottlieb Platz – Restaurierung einer vergessenen Kostbarkeit“ wird am Dienstag, dem 12. Januar 2016, um 19.00 Uhr, in den Archivverbund Bautzen eingeladen. Silke Kosbab vom Stadtarchiv Bautzen wird an diesem Abend die restaurierte Chronik präsentieren.
Der Eintritt ist frei.

Die Chronik, die der einstige Bautzener Bürgermeister etwa zwischen 1690 und 1720 verfasste, stellt (ähnlich wie bei der Techell-Chronik) ein Lebenswerk des Autors dar. Hinsichtlich der beeindruckenden voluminösen Einzelfolianten übertrifft sein Werk jedoch jene erst kürzlich nach Bautzen zurückgekehrte Chronik um einiges. Auch reicht sie in ihrer Entstehung weiter zurück. Christian Gottlieb Platz, geboren 1657 in Bautzen, gestorben 1727 ebenda, verfasste wohl ursprünglich 29 Bände, von denen einer wohl verloren ist. Die in Leder gebundenen und mitunter mehrere Kilogramm schweren Bände weisen Buchbreiten von bis zu 20 Zentimeter auf. Sie beinhalten ausführliche Abhandlungen zur Bautzener Stadtgeschichte, chronikalische Berichte zur Oberlausitz, dem Sechsstädtebund sowie anderweitige facettenreiche Informationen auch zu Persönlichkeiten und Schicksalen. Angereichert wird die Handschrift durch Beilagen vielfältiger Art, wie sie für Chroniken jener Epoche typisch ist. Enthalten sind Druckschriften, die das gesellschaftliche Leben breit dokumentieren. Privilegien, Gesetzessammlungen und Statute, Leichenpredigten, Programme diverser Feierlichkeiten sowie einzelne Notenblätter. Wertvoll ist die Chronik aber auch wegen ihrer zahlreichen Abschriften von Dokumenten, die im Original inzwischen längst verloren sind. Die Platzsche Chronik ist in jedem Fall ein Ausnahmeprachtstück aus der späten Blütezeit städtischer Chronistik.

Bedauerlicherweise haben frühere zeitweise unsachgemäße Lagerungen der Chronik insgesamt so zugesetzt, dass sie aus konservatorischen Gründen zuletzt nur für ausgewiesene Forschungsprojekte herangezogen wurde und ansonsten für die Benutzung gesperrt blieb. Die Schadensbilder, die vermutlich von einem größeren Wasserschaden stammen, betreffen in der Hauptsache den Einband, den Buchblock aber auch die Papierlagen. Schimmel, Verschmutzungen und Wurmfraß haben den Seiten gleichermaßen schwer zugesetzt.

Das Stadtarchiv hatte die umfangreiche Chronik zur Restaurierung innerhalb des Förderprogramms der bundesweiten Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes KEK vorgeschlagen. Diese sagte eine Beteiligung in Höhe von 21.158.00 € zu. Nach der Zusage konnte die Chronik an die Firma Buchrestaurierung Leipzig übergeben werden. Inzwischen sind die Arbeiten an allen Bänden abgeschlossen sein und die Chronik kann der breiten Öffentlichkeit präsentiert werden.

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