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Stadtansicht Bautzen - Blick von der Friedensbrücke

Interview mit Oberbürgermeister Alexander Ahrens

100 Tage im Amt

Sehr geehrter Herr Ahrens, am 28. November sind Sie genau 100 Tage im Amt als Bautzens Oberbürgermeister. Hand aufs Herz: Haben Sie Ihre Entscheidung schon mal an der einen oder anderen Stelle bereut?
Ich habe mich im neuen Amt vom ersten Tag an wohlgefühlt, bestimmt auch, weil man als Volljurist zum Behördenleiter ausgebildet ist. Zudem betrachte ich die Aufgabe auch als Erfüllung, da gibt es nichts zu bereuen.

Aber vier Kinder zu Hause und eine berufstätige Ehefrau machen es Ihnen doch bestimmt nicht einfacher. Wie viele Wochenarbeitsstunden investieren Sie derzeit in Ihre Arbeit?
Wahrscheinlich bis zu 60 Stunden – allerdings verteilt eben manchmal auf sieben Tage. Ich zähle die Zeit allerdings nicht, denn der Job ist für mich eher Berufung als Beruf. Außerdem kommt es nicht darauf an, wieviel Zeit man mit dem Beruf verbringt, sondern mit welchen Inhalten man ihn füllt und wie man Themen begleitet bzw. entscheidet. Beruf und Familie in Einklang zu bringen ist natürlich eine Herausforderung, die kennen aber alle Eltern. Mein großer Vorteil ist allerdings, dass ich in fünf Minuten vom Büro Zuhause bin, oder nachmittags mal kurz die Kinder aus der KITA abholen und an meine große Tochter Zuhause übergeben kann, wenn es anders nicht geht.

Wenn Sie drei wichtigste Themen benennen müssten, mit denen Sie sich seit dem 21. August beschäftigt haben. Welche wären das?
Solche Fragen sind immer schwierig zu beantworten. Meine Aufgaben hier sind sehr komplex und Herausforderungen gibt es auf vielen Ebenen. Versuchen wir es mal: Am wichtigsten ist mir immer noch, die eigene Mannschaft kennenzulernen. Das ist ein Prozess, der noch im Gange ist. An einer Stelle bin ich mir aber schon sehr sicher: Wir haben eine sehr leistungsfähige Verwaltung, gemeinsam können wir in Bautzen viel bewegen. Weiterhin ist mir das Thema Flüchtlingshilfe wichtig. Es ist grundsätzlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, da weise ich immer wieder gern drauf hin. Aber mir geht es eben auch darum, den Landrat Michael Harig und seine Verwaltung bei dieser Sisyphos-Arbeit nach Kräften zu unterstützen. Bei allen Herausforderungen dieses Themas möchte ich daran mitwirken, dass wir alle Mut, Haltung und Verantwortung zeigen und den Blick auf die Chancen, die diese Zuwanderungswelle eben auch beinhalten kann, nicht verlieren. Das wichtigste kommunalpolitische Thema der ersten Zeit war die endgültige Abschaffung der Straßenbaubeitragssatzung.

Mit dem zuletzt genannten Schwerpunkt konnten Sie im Wahlkampf punkten, nun haben Sie sich relativ schnell mit diesem Anliegen durchgesetzt. Welche Themen befinden sich noch in der Bearbeitung und wo mussten Sie Ihre Prioritätenliste eventuell auch ändern?
Die Vergnügungssteuer auf Tanzveranstaltungen ist jetzt abgeschafft. Das war eines der Themen aus dem Wahlkampf, mit dem in erster Linie Unternehmer auf mich zukamen. Veranstaltungen würden für die Macher unattraktiv und genau betrachtet gab es diesbezüglich auch nur noch sehr wenige private Initiativen. Das wird sich nun hoffentlich ändern aber da sind jetzt andere am Zug. Parallel haben die Stadträte der Erhöhung der Steuern auf Spielgerätecasinos zugestimmt. Durch die werden wir in diesem Bereich des Haushalts wahrscheinlich trotzdem mehr Einnahmen bekommen.

Als Stadt muss man Möglichkeiten für Einwohner und Gewerbetreibende schaffen. Der zusätzliche verkaufsoffene Sonntag am 6. Dezember 2015 ist ein solcher kleiner Schritt hin zu mehr Möglichkeiten. Auch die letzte Romantica war ein Schritt zu einer größeren Attraktivität der Stadt – auch wenn das bezüglich der Wirkung für den Handel bestimmt noch besser geht. Da würde ich gern dran bleiben und ich weiß inzwischen auch viele willige Partner auf diesem Gebiet.

Mehr Zeit als ursprünglich von mir gedacht wird das Thema Skaterbahn/Skaterhalle/ Jugendtreffs benötigen. Die Planung, Gestaltung und Bebauung des Lauengrabenareals braucht ohnehin viel Vorlauf, das war von vorneherein klar. Die neue Baubürgermeisterin Juliane Naumann freut sich allerdings auch schon auf diese Herausforderung.

Viele Wähler haben sich mehr Bürgerbeteiligung bei städtischen Themen gewünscht. Sie wollten sich darum kümmern, was können Sie denen heute sagen?
Insbesondere beim Areal am Lauengraben wird das Thema zur Geltung kommen. Neben der schon genannten Baubürgermeisterin, die mit einigen Ideen zur Bürgerbeteiligung vertraut ist, werden wir die Stadtverwaltung um einen Mitarbeiter aufstocken, der sich schon lange mit diesem Themenfeld befasst. Dort sind wir dann also gut aufgestellt und können Bewegung reinbringen. Ich hoffe, dass die Menschen in unserer Stadt das Angebot auch annehmen und nutzen.

Für die Arbeit der Verwaltung haben Sie immer lobende Worte gefunden, sich auf die Zusammenarbeit gefreut. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
Definitiv: ja. Selbst in Bereichen, die in der Außenwahrnehmung, ja sogar der Wahrnehmung der Stadträte, zunächst diskussionswürdig erscheinen, erweist sich regelmäßig, dass es gute Gründe für die Vorgehensweise gibt. Das man manche Themen allerdings auch unter einem anderen Blickwinkel sehen oder gar angehen kann, steht auf einem anderen Blatt. Es ist eine Aufgabe der Chefetage, den Kurs zu bestimmen oder auch graduell zu verändern. Fest steht, dass uns unsere Amtsvorgänger durchweg leistungsfähige Strukturen hinterlassen haben – das kann man gar nicht unterschätzen…

Schon nach wenigen Tagen im Amt haben Sie die Wirtschaft zur Chefsache erklärt. Gibt es weitere Pläne bzw. hat es in diesem oder auch in anderen Zusammenhängen Veränderungen innerhalb der Verwaltungsstruktur gegeben?
Damit wollte ich klar zum Ausdruck bringen, dass die Wirtschaftsförderung ein zentrales Thema meiner Amtszeit ist. Über entsprechende strukturelle Veränderungen haben Robert Böhmer und ich schon sehr intensiv nachgedacht. Ab dem 7. Dezember ist dann auch Juliane Naumann als neue Baubürgermeisterin mit an Bord. Dann werden wir mit ihr besprechen, ob es noch andere Änderungen geben kann. Das Ergebnis legen wir dann dem Stadtrat vor.

Ihr Vorgänger im Amt bekleidete verschiedene Ämter mit überregionaler Bedeutung, beispielsweise im Deutschen Städte- und Gemeindebund oder im Sächsischen Städte- und Gemeindetag. Haben Sie ihn an der einen oder anderen Stelle „beerbt“ oder haben Sie überhaupt Ambitionen, sich entsprechend zu engagieren? 
Ich engagiere mich bereits im Sächsischen Städte- und Gemeindetag, ansonsten muss ich mich erst mal um die Belange der Stadt Bautzen kümmern.

Welche konkreten Vorhaben stehen auf Ihrer Agenda 2016 – beruflich und privat?
Der Einstieg in die Planungen zum Lauengrabenareal und Maßnahmen zur Tourismusentwicklung stehen an oberster Stelle meiner Prioritäten, sind aber sehr langfristige Themen. Dann möchte ich, dass städtische Projekte wie der KITA-Neubau, vielleicht auch Planungen zur Jugendkultur, von dem neuen Fördermittelpaket, das den zusätzlichen Lasten durch die Flüchtlingshilfe Rechnung trägt, profitieren. Darüber hinaus gibt es einen bunten Strauß an Themen, die parallel Aufmerksamkeit fordern – Langeweile wird da nicht aufkommen.
Privat möchten wir zwei alte Häuser sanieren, auf den lange vorbereiteten Baubeginn freuen wir uns schon sehr.

Bleibt denn bei der vielen Arbeit überhaupt noch Zeit für Hobbys und Familie?
Für die Familie schon, auch wenn wir die deutlich reduzierte Zeit sehr viel bewusster genießen müssen. Aber die Hobbys leiden etwas. Ab und zu zur Jagd, das lässt sich einrichten, aber für’s Eishockey bleibt keine Zeit.

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