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Stadtansicht Bautzen - Blick von der Friedensbrücke

Bautzen versucht sich in Verkehrsberuhigung

Mit dem Beschluss des Verkehrsentwicklungsplanes für die Bautzener Innenstadt haben die Stadträte im November 2013 einem Planungskonzept zur verkehrsplanerischen und gestalterischen Aufwertung der Innenstadt zugestimmt. Insbesondere geht es um eine verkehrliche Entlastung von Lauengraben und Kornmarkt. Im Februar wird es nun ernst. Ein Teil der Maßnahmen wird umgesetzt – versuchsweise.

In einer komplexen Untersuchung hat das Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme (IVAS) aus Dresden zunächst die Defizite der aktuellen Situation definiert, um anschließend Ideen und Anforderungen an die künftige Gestaltung abzuleiten. Auch wenn es kein Patentrezept für die Umgestaltung von öffentlichem Raum gibt: Beispiele aus Städten wie Konstanz, Ulm, Aalen oder Duisburg zeigen, wie man ähnlich gelagerte Probleme anderenorts gelöst hat. Basierend auf diesen Erfahrungen haben die beauftragten Planer Empfehlungen für den Straßenzug Lauengraben/Kornmarkt herausgearbeitet. Diese beinhalten unter anderem die Reduzierung der zulässigen Geschwindigkeit auf 30 km/h, um die Verträglichkeit zwischen den einzelnen Verkehrsarten sowie die Verkehrssicherheit im Umfeld des Straßenzuges zu erhöhen und dessen räumliche Trennwirkung zwischen der historischen Altstadt und den südlich angrenzenden Stadtteilen zu reduzieren. Die Entlastung durch die Westtangente führt zu weiteren Umgestaltungspotenzialen, etwa in der Äußeren Lauenstraße, der Kreuzung Dresdener Straße/Schliebenstraße und der Clara-Zetkin-Straße. Auch die Herstellung eines zusammenhängenden Radnetzes auf den Hauptverkehrsstraßen der Innenstadt ist wichtiger Teil des Plans.

Bis hierher war an dem Prozess neben der Stadtverwaltung und IVAS auch die breite Öffentlichkeit beteiligt: Stadträte, Träger öffentlicher Belange, Polizei, ADFC und ADAC haben die Vorstellungen diskutiert. Im März 2013 gab es zudem einen Informationsstand in der Tourist-Information Bautzen-Budyšin und bei der Verwaltung gingen zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung ein. Relativ schnell wurde klar, dass nicht gleich die Bagger anrollen sondern die Umgestaltung zunächst auf einen Versuch im tatsächlichen Sinne des Wortes hinaus läuft. Der Verkehrsversuch läuft in zwei Stufen ab: Zunächst wird zwischen „Vogelkreuzung“ und Holzmarkt eine zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h reduziert. Die Beschilderung dazu wird Ende Januar 2015 aufgestellt, außerdem erfolgt eine Anpassung der Ampelschaltzeiten. Weitere bauliche Maßnahmen oder Markierungen sind für die erste Versuchsphase nicht erforderlich. D

ie Reduzierung der zulässigen Geschwindigkeit ist kein Mittel, um den Kfz-Verkehr auszubremsen. Vielmehr sollen die durch die Westtangente entstandenen Kapazitäten ausgenutzt werden, wodurch sich langfristig die Bedingungen für den Verkehr in der Innenstadt verbessern und sie als Wohn- und Handelsstandort gestärkt wird. Ziel ist es, die Sicherheit und Attraktivität der Innenstadt für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Insbesondere werden sichere und komfortablere Querungsbedingungen für Fußgänger und Radfahrer realisiert und damit der Bereich entlang des Straßenzuges in seiner Freiraum- und Aufenthaltsqualität verbessert.

In einer 2. Testphase wird am Knotenpunkt Dresdener / Schlieben- / Clara-Zetkin-Straße ein provisorischer Kreisverkehr eingerichtet. Die Elemente werden voraussichtlich im März 2015 aufgestellt, sofern die witterungsbedingten Voraussetzungen gegeben sind. Informationen hierzu werden rechtzeitig bereitgestellt. Mit dem Kreisverkehr kann ein attraktiver Eingang zur Innenstadt geschaffen werden, der sich in das Stadtbild einfügt. Durch den Kreisverkehr können die Konfliktpunkte zwischen den Verkehrsteilnehmern abgebaut sowie der Verkehrsfluss verstetigt werden, sofern die nach dem Bau der Westtangente immer noch vorhandene Verkehrsbelegung einen konfliktfreien Verkehrsablauf zulässt. Dies zu prüfen ist ein wesentliches Anliegen des Verkehrsversuchs.

Anlass für den Verkehrsversuch sind Bedenken bezüglich des Verkehrsablaufs sowie des Ausweichverkehres auf das Nebennetz. Beide Phasen des Verkehrsversuchs werden durch umfangreiche Verkehrsbeobachtungen und Messungen (Verkehrsaufkommen, Reisezeiten und Rückstaulängen) begleitet. Beachtung finden werden dabei auch die Auswirkungen auf relevante Straßenzüge im Stadtgebiet sowie die Entwicklung der Immissionsbelastungen. Die Daten der Versuchsphasen werden miteinander sowie mit dem vorherigen Zustand verglichen. Gegebenenfalls offenbaren die Ergebnisse weiteren Anpassungsbedarf wodurch temporäre Einschränkungen im Verkehrsablauf möglich sind.

Zur Beurteilung des Verkehrsversuches werden unter anderem folgende Prüffragen definiert: Ist unter den jetzigen Bedingungen eine Koordinierung bei 30 km/h möglich? Sind verkehrliche Verlagerungen vorhanden und vertretbar? Ist die Verkehrsqualität für alle Verkehrsteilnehmer ausgewogen oder entstehen kontraproduktive Effekte?

Auf eine, wie im Verkehrsentwicklungsplan Innenstadt vorgesehene, Abschaltung der Lichtsignalanlage am Knotenpunkt Lauengraben / Kornmarkt / Karl-Marx- / Schulstraße wird verzichtet, da die Bedingungen hierfür aufgrund der derzeitigen Verkehrsbelegung nicht gegeben sind.

Ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Umsetzung des Verkehrsversuchs ist die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger, begleitend mit einer Änderung im Mobilitätsverhalten. Die Neuordnung des Verkehrs ist ein fortwährender Prozess und die gewünschten Effekte treten erst nach einer langen Eingewöhnungsphase ein. Dadurch kann es speziell zu Beginn der Testphase zu längeren Stauerscheinungen kommen. Wir bitten alle Verkehrsteilnehmer in dieser schwierigen Stufe des Versuchs um etwas Gelassenheit.

Für Juni 2015 ist eine abschließende Beurteilung des Verkehrsversuchs durch das beauftragte Ingenieurbüro geplant. Auf Basis des Gutachtens soll über die endgültige Regelung entschieden werden. In Bezug auf den Kreisverkehr ist der Verkehrsversuch auch Teil der derzeit laufenden Vorplanung für den Kreuzungsumbau. Der erfolgreiche Abschluss des Verkehrsversuchs ist die Voraussetzung für die weitere Planung dieser Umbauvariante.

Für Hinweise aus der Bevölkerung wurde eigens eine E-Mail-Adresse eingerichtet. Unter verkehrsversuch@bautzen.de werden ernstgemeinte Hinweise entgegengenommen. Außerdem wird auf der städtischen Homepage eine entsprechende Rubrik mit den aktuellsten Informationen eingerichtet und regelmäßig im Amtsblatt berichtet.

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