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Stadtansicht Bautzen - Blick von der Friedensbrücke

Frauen brauchen mehr Flexibilität

Die Stadt Bautzen wurde 2012 von einer Fachjury für die Aufnahme in das Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend „Mehr Frauen in Führungspositionen – Regionale Bündnisse für Chancengleichheit“ ausgewählt. „Ihre Stadt hat mit ihrer Bewerbung eindrucksvoll gezeigt, dass Sie auf vielen guten Ansätzen aufbauen und mit hohem Engagement Ihrer Partnerinnen und Partner aus den privaten und kommunalen Unternehmen rechnen können“, so die Bundesministerin Dr. Christine Schröder in einem Informationsschreiben dazu.

10 Regionen – 100 Unternehmen – 1.000 weibliche Führungskräfte: Erstmals werden mit den „Regionalen Bündnissen“ nun auch Aufstiegschancen von Frauen in mittleren und kleinen Unternehmen gefördert. Die Firmen bilden ein breites Spektrum an Branchen, Größen und Produkten ab. Auch zahlreiche öffentliche Unternehmen sind beteiligt. Sie entwickeln konkrete Ziele und Maßnahmen für mehr Frauen in Führungspositionen. Die zehn Kommunen und Landkreise wurden von einer Fachjury unter 49 Bewerbungen aus dem ganzen Bundesgebiet ausgewählt.

Zu den Bautzener Erstunterzeichnern einer gemeinsamen Erklärung zu diesem Thema gehörten im Juni letzten Jahres neben der Stadtverwaltung, der Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen mbH und den Energie- und Wasserwerken Bautzen GmbH auch die Unternehmen Deutsche Post AG (Briefverteilzentrum in Bautzen), Oberlausitz-Kliniken gGmbH, Volksbank Bautzen eG, Vitanas Bautzen, Cideon AG, itelligence Outsourcing & Service GmbH, Bombardier Transportation GmbH und das Bundesfamilienministerium. Seitdem koordiniert die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Andrea Spee-Keller runde Tische und Gesprächskreise mit Vertretern der Bautzener Beteiligten, um Erfahrungen auszutauschen und Ideen zu diskutieren. Am Dienstag, dem 29. Januar, trafen sich 6 Vertreter von 5 Unternehmen gemeinsam mit Oberbürgermeister Christian Schramm und Bürgermeister Michael Böhmer im Rathaus. Schramm begrüßte und verwies auf die aktuelle Situation besonders bei jungen Frauen: „Viele sind wegen der Karriere aus der Region weggegangen, haben sich einen neuen Freundeskreis aufgebaut, verdienen gutes Geld und denken vielleicht schon über eine eigene Familie nach“. Da fällt es natürlich schwer, Argumente für eine Rückkehr zu finden. Marko Müller von der Bombardier Transportation GmbH hat aber auch die Erfahrung gesammelt, dass es unabhängig vom Standort oft nur wenige weibliche Interessenten an Stellenausschreibungen in seinem Unternehmen gibt. Helmut Steeg von der Deutschen Post bestätigte, dass viele Frauen wegen der klassischen Doppelbelastung „ihre Karriere mit angezogener Handbremse angehen“. Als Leiter eines „Frauenunternehmens“ hat er auf die Bedürfnisse aus Kinderbetreuung, Beziehung und Beruf reagiert: mit flexiblen Arbeitszeiten. Ein Angebot, was besonders junge Mütter sehr gern annehmen. „Sie haben damit eine Last weniger und bringen dafür mehr Leistung“, so seine Erfahrung. Von Sonderrechten, beispielsweise der bevorzugten Vergabe von Kitaplätzen, hält Steeg wenig. Mehr Chancen auf ein besseres Familienleben einzuräumen sei die intelligentere Lösung.

Flexible Arbeitszeiten setzen nach Aussage der Unternehmer auch Möglichkeiten der flexiblen Kinderbetreuung voraus. Bürgermeister Michael Böhmer ist nicht neu, dass hier in Kitas und Horteinrichtungen nach Lösungen gesucht wird: „Der Bedarf flexibler Kinderbetreuung war in Bautzen bislang nicht belastbar, weil er eben auch Geld kosten“. An dieser Stelle ebbte nach seiner Erfahrung der „Bedarf“ immer stark ab. Wenn es nach dem Willen der Gesprächsrunde geht, ist das Thema aber noch nicht vom Tisch und die Stadtführung begrüßte weitere Aktivitäten in diese Richtung.

Den Tausch der klassischen Rollen innerhalb der Partnerschaften konnten die Diskutanten nicht bestätigen. Zwar nähmen zunehmend Männer das Angebot der zweimonatigen Elterngeldzeit in Anspruch, das Erziehungsjahr sei aber unverändert Sache der Mütter. Scheinbar ist man in den Unternehmen auch nicht unglücklich über diesen Umstand, da die Teilung von Führungsaufgaben immer zu einem Problem führt.

Der Austausch war sehr offen und gab Einblick in die Firmenphilosophien der beteiligten Unternehmen. Die sind abhängig von der Betriebsgröße natürlich unterschiedlich. Die Aufgabe der Runde wird es aber sein, die Übernahme spezieller Ideen, mit denen die Rolle der Frauen in Unternehmen gestärkt werden können, gezielt zu prüfen und umzusetzen. Demnächst wird es weitere Termmine geben, darunter Vorträge zu einem innovativen Arbeitszeitmodell und einem Cross-Mentoring-Programm am 19. März sowie den GirlsDay am 25. April.

Die beteiligten Unternehmen werden für 4 Jahre in das Programm integriert. Vorgesehen ist, regionale Bündnisse für mehr Frauen in Führungspositionen zu gründen, um Kommunen und Unternehmen vor Ort als wichtige Partner für mehr Chancengleichheit in der Wirtschaft zu gewinnen. Das Programm bietet den beteiligten Unternehmen eine kostenlose Beratung und den regionalen Akteuren Information und Austausch zu innovativen personalpolitischen Konzepten und gleichstellungsförderlichen Instrumenten.

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