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Würdigung des Ankaufs von drei Plastiken des Bildhauers Horst Weiße

Mit Unterstützung der Sparkassen-Stiftung für den Landkreis Bautzen ist es dem Museum Bautzen im vergangenen Jahr gelungen, die finanziellen Mittel für den Erwerb der drei Plastiken des Bildhauers Horst Weiße (1919-1993) aufzubringen. Am Montag, dem 19. Dezember 2011, wurde dieser Ankauf im Beisein von Eva Weiße, der Witwe des Künstlers, im Museum Bautzen offiziell gewürdigt.

Im Jahr 2000 kamen die drei aus Serpentinstein gearbeiteten „Köpfe“ als Dauerleihgaben ins Museum. Seither werden sie im Foyer der Gemäldegalerie im zweiten Obergeschoss ausgestellt. Die Leihgabe war das Ergebnis einer Ausstellung, die das Museum gemeinsam mit dem Bautzener Kunstverein e.V. anlässlich des 75. Geburtstages des 1993 verstorbenen Horst Weißes initiierte. 1994 präsentierte das Haus ausgewählte Arbeiten aus dem beeindruckenden Lebenswerk des Bildhauers. Seither hat sich die Museumsleitung verstärkt für eine breitere Anerkennung des Künstlers - über die Grenzen der Lausitz hinaus - eingesetzt. Der in Eppendorf im Erzgebirge geborene Horst Weiße kam Anfang der 1960er Jahre nach Bautzen, wo er sich als Künstler etablierte und 1990 den Anstoß für die Neubelebung des Bautzener Kunstvereins gab, dem er bis zu seinem Tode vorstand.
Weitere finanzielle Mittel für den Ankauf der „Köpfe“ stammen außerdem von der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen sowie von der Stadt Bautzen.

Der Künstler Horst Weiße (1919-1993)

Bildhauer Horst Weiße, Bautzen, 1988-1990. Aus der Bildmappe  „Bildende Künstler aus Bautzen und Umgebung fotografiert in den Jahren 1988 und 1990 von Jürgen Matschie.“ Der Bildhauer Horst Weiße wird 1919 in Eppendorf im Erzgebirge geboren. Aufgewachsen in bescheidenen materiellen Verhältnissen arbeitet er zunächst als Holzschnitzer und Spielzeugmacher, bis er 1940 zum Militärdienst einberufen wird. An der Ostfront verliert Weiße ein Bein und kehrt kriegsgeschädigt heim. Neun Jahre nach Kriegsende absolviert er die Meisterprüfung zum Spielzeugmacher und eröffnet eine eigene Holzschnitzerei in Seifen. 1961 siedelt er mit der Familie nach Bautzen über, wo er weiterhin eine Werkstatt betreibt. Entscheidend für seine künstlerische Entwicklung in den folgenden Jahren ist der Eintritt in den Plastikzirkel um Rudolf Enderlein. Umgeben von Gleichgesinnten eignet sich Weiße neue Gestaltungstechniken an. Schließlich bricht er mit dem Holz und wendet sich dem Stein zu, bei dessen Bearbeitung er den Widerstand des Materials deutlicher spüren kann. Besonders die Begegnung mit dem aus Pulsnitz stammenden Plastiker Hartmut Bonk ist für den Künstler Weiße von entscheidender Bedeutung. In der Folge entsteht 1969 seine erste Plastik: „Steinträger I“.

Mit 50 Jahren beteiligt er sich erstmals an einer Ausstellung in Bautzen. 1970 löst er seine Werkstatt in der Bautzener Grollmußstraße endgültig auf und richtet sich im Garten seines Hauses ein eigenes Atelier ein. Sein erster öffentlicher Auftrag in Bautzen 1974, das „Alte Paar“, löst jedoch Ablehnung und Proteste aus. Wie es heißt, bediene sich der Künstler zu sehr des dekadenten westlichen Formenguts. Aber Horst Weiße, der genau jene Streitbarkeit seiner Kunst beabsichtigte und für den zeitlebens die Botschaft des Werkes im Vordergrund stand, behauptet seinen Standpunkt; das „Alte Paar“ bleibt stehen und Ende der siebziger Jahre stellen sich weitere Erfolge ein. 1990 wird auf seine Initiative hin der Bautzener Kunstverein e.V. gegründet, dessen Vorsitz Horst Weiße bis zu seinem Tode im Jahre 1993 bekleidet.

Die drei Plastiken

Im Jahre 1987 besucht Horst Weiße eine Ausstellung in Ostberlin. Dort sieht er Skulpturen aus Lepenski Vir, eine archäologische Fundstätte an der Donau im Osten Serbiens. Er ist fasziniert von den in der Mittelsteinzeit minimalistisch bearbeiteten Geröllen. Unter diesem Eindruck schafft Weiße zwischen 1987 und 1991 seine „Köpfe“. Aufgrund der reduzierten Formensprache, die seiner Kunst stets eigen war, scheint es, als seien die Gesichter schon immer im Stein verborgen gewesen, mussten nur erkannt und frei gelegt werden.

Die Titel der drei Plastiken

Kopf „Trauer“, 1987, Serpentinstein
Kopf, 1988, Serpentinstein
Kopf „Geborgen“, 1991, Serpentinstein

Der Erwerb der drei Plastiken setzt sich finanziell wie folgt zusammen:
Sparkassen-Stiftung für den Landkreis Bautzen 20.000,00 €
Sächsische Landesstelle für Museumswesen 5.000,00 €
Eigenanteil Stadt Bautzen 5.000,00 €

. Horst Weiße  Kopf „Traum“, 1987, Serpentinstein, Museum Bautzen

Horst Weiße: Kopf „Traum“, 1987, Serpentinstein,  Museum Bautzen

Horst Weiße  Kopf, 1988, Serpentinstein, Museum Bautzen

Horst Weiße: Kopf, 1988, Serpentinstein, Museum Bautzen

Horst Weiße  Kopf „Geborgen“, 1991, Serpentinstein, Museum Bautzen

Horst Weiße: Kopf „Geborgen“, 1991, Serpentinstein, Museum Bautzen 

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